Dienstag, 05. Juni 2007

Fahren wir, oder fahren wir nicht? Das Frühstück ist schon im Magen, der Tisch abgeräumt
und draußen regnet es sich so richtig aus. Kathi und ich wollten heute zum Großglockner fahren und auf der Edelweißspitze unsere Skifreunde Inge und Hubert treffen. Doch bei diesem Wetter kommen auch uns Zweifel und der Wetterbericht macht uns kaum Hoffnungen. Doch wir können nicht ewig warten, denn die Beiden warten auch auf uns.

Nach und nach entschließt sich auch der letzte die Fahrt ins feuchte Element anzutreten. Nur Annes alte Honda möchte lieber in der trockenen Garage stehen bleiben und verweigert jeden Startversuch. Heute verfahre ich mich nicht mehr! Obwohl wir gegen die Strömung fahren finde ich auch ohne Kompass die Ufer des Gailbergs. Als Kapitän ist mir diese Richtung von gestern noch sehr vertraut. Es ist schade, dass wir die Kurven heute nicht so genießen können wie am Vortag. Auch hinter Oberdrauburg, Lienz und Winklern wird es nicht schöner. Nach Heiligenblut geht es hinauf zur Mautstation. Kurz anhalten, sind alle da? Wenig Freude ist in den Gesichtern zu erkennen. Handschuh, Jacke, Hose und Schuhe halten nicht was der Hersteller verspricht. Im Schritt der Hose wird man an seine frühste Kindheit erinnert, oder an das was noch mal auf einen zukommt. Schnell die Maut bezahlt und rauf auf die Großglockner-Hochalpenstrasse. Am Abzweig zur Franz-Josefs-Höhe verlieren sich die Wege unserer Gruppe. Kathi und ich fahren dem Hochtor entgegen um nach einer Stunde Verspätung Inge und Hubert noch zu treffen. Wir fahren mitten in die Wolken hinein und die Sicht wird immer dürftiger. Es kommt einem so vor als möchte Petrus persönlich das Treffen verhindern. Kleine Sturzbäche kommen uns auf der Fahrbahn entgegen. Den am Straßenrand stehenden Schafen hängt die Wolle auch schon bis zum Boden. Doch da ist die Edelweißspitze mit ihrem Gasthaus erreicht. Kaum die feuchten Klamotten vom Moped gehoben, kommen uns auch schon die Beiden, die so lange auf uns warten mussten, entgegen. Kathi zieht es die Schuhe aus als wir im Restaurant platz nehmen.

Nicht etwa vor Freude Inge und Hubert gefunden zu haben, sondern weil ihre Stiefel bis zur Kante voll mit Wasser gelaufen sind. Von Inge bekommt sie die trockenen Zweitsocken und aus dem Shop zwei Plastiktüten. Eine Tüte für den linken und eine für den rechten Schuh, damit die „neuen“ Socken nicht gleich wieder durch sind. Für die innere Wärme gibt es Kaffee und Gulaschsuppe.

Nachdem auch die anderen ihren Kaiserschmarrn auf der Franz-Josfs-Höhe verputzt haben treffen sie jetzt auch an der Edelweißspitze ein. Alle haben nun wieder bessere Laune denn der Regen ist vorbei und die Straße wird langsam trocken. Nur Lothar sieht noch sehr blass aus, macht ihm und seinem Herz die Höhe doch sehr zu schaffen. Einen großen Vorteil hatte das bis eben noch so schlechte Wetter: Außer ein paar Versuchsfahrzeugen die unterwegs sind ist die Panoramastraße wie leer gefegt. Und darum entschließen sich Hubert und Inge, „Willi“, Kathi und ich noch die Nordseite runter zu düsen. Man merkt bei Hubert gleich, dass er sich mit seiner FJR hier wie zu Hause fühlt. Flott geht es durch die Kurven hinunter bis zur Mautstation. Dort machen wir noch schnell ein Foto und dann geht’s wieder hinauf. Vorher müssen wir uns aber schon wieder von Inge und Hubert verabschieden. Hubert kommt aber noch mal ein Stück mit hinauf…

Kathi schimpft mit einem halben Lächeln auf uns „Handgasaffen“, wurde ihr bei dem rasanten Aufstieg fast schon schwindelig. Doch kann ich sie trotzdem überreden auf den Bikers-Point hinaufzufahren. Und das hat sich dann auch gelohnt. Für schönste Fotos geben die Wolken nun den blauen Himmel langsam wieder frei.

Es ist zwar noch immer kalt doch die Sonne trocknet uns den Heimweg. Der Großglockner erscheint jetzt in einem ganz anderen Licht. Das wirkt sich auch auf den Fahrstil von „Willi“ aus, der scheinbar vergießt das seine Schwester noch hinten drauf sitzt.

So geht die Rückfahrt gut voran, ein kurzer Tankstop bei Oberdrauburg uns weiter über den Gailbergsattel, zurück nach Hermagor / Passriach. Bei Hofer müssen wir noch halten um das heutige Abendessen zu kaufen. Zu Hause angekommen werden die feuchten Sachen zum trocknen auf gehangen.

Während hinter den Bergen vom Pressegger See die Sonne untergeht schmeißt Lothar mit viel Puste den Grill für uns an. Und bald ist auch „Willi“ da, hat den Duft im Haus wohl schon gerochen, greift dem Grillmeister helfend unter die Arme, betont aber unüberhörbar das er nicht „der Arsch am Grill“ sein möchte. Bevor der „Arme“ verhungert stelle ich mich noch einmal hinter den Grill und dem Rauch.

Aber Andi und Moni haben noch eine Überraschung für uns. Moni im Trachtendirndel und „Willi“ mit Almöhi-Hut geben ihre Verlobung bekannt. Da gebe ich doch gerne einen Obstler aus.

Wir wünschen den Beiden alles Gute!